Hauptseite » Astronomie-Projekts
Im "Jahr der Astronomie" 2009 entsteht im Isergebirge ein großartiges Planeten-Projekt

Die polnischen Initiatoren des Astronomie-Projekts im Isergebirge, Zbigniew Kamiñski, Tomasz Mrozek und Sylwester Ko³omañski, auf der Großen Iserwiese hoch über ¦wieradów Zdrój (Bad Flinsberg). Im Hintergrund die Chatka Górzystów.
Foto: Christian Henke
Auf dem Schreibtisch stapeln sich Papiere. Das Telefon klingelt, ein beharrlicher Antragsteller nervt. Doch Zbigniew Kamiñski, der 45-jährige Forstexperte in der Oberförsterei ¦wieradów Zdrój (Bad Flinsberg), bewahrt die Ruhe und lächelt. Vor der Tür warten bereits Tomasz Mrozek und Sylwester Ko³omañski, seine Freunde vom Astronomischen Institut der Universität Wroc³aw (Breslau). Mit ihnen teilt er die Liebe zur Natur und zum Isergebirge - und zu einem Großprojekt im Internationalen Jahr der Astronomie 2009.
Gemeinsam wollen sie vor Ort Details besprechen. "Wir möchten die Chance nutzen, eine breite Öffentlichkeit in der faszinierenden Natur des Isergebirges grenzüberschreitend mit kosmischen Dimensionen vertraut zu machen", erklärt Tomasz. Das klingt ziemlich akademisch, aber Zbigniew konkretisiert: Im Garten der Försterei wird ein kleines Observatorium mit zwei Teleskopen entstehen. Und die Försterei wird Startpunkt für einen naturwissenschaftlichen Lehrpfad zum Stóg Izerski (Heufuder). Es gibt Bestrebungen, diesen Pfad bis zum tschechischen Smrk (Tafelfichte) zu erweitern. "Bis zu der Stelle, an der Adolph von Gersdorf im 18. Jahrhundert astronomische Beobachtungen vornahm", erklärt Zbigniew.
Mit dem Jeep geht es bis zum Heufuder-Gipfel, der 40 Meter höher liegt als die Baude. Hier haben Schüler bereits Vermessungsarbeiten für die Errichtung eines Steinkreises ähnlich dem weltberühmten "Stonehenge" in Südengland vorgenommen.

Auf diesem nächtlichen Satellitenfoto sind die Zentren der künstlichen Beleuchtung (ganz links liegt Zittau) gut zu erkennen. In der Mitte die markierte Zone der geschützten Nachtdunkelheit.
Foto: dark-area-satphoto
"Acht große Steine aus verschiedenen Teilen des Isergebirges werden im Umkreis von 20 Metern zu eigenen Beobachtungen anregen und die Verbindung zur Geologie herstellen", erklärt Tomasz.
Der geländegängige Forst-Jeep bringt uns zu den Iserwiesen. Erste Station ist die urige Touristenbaude Orle (Carlsthal). Am Giebeleck der alten Glashütten-Verwaltung wird eine Sonnenuhr den Wettstreit mit modernen Zeitmessern aufnehmen. "In einigem Abstand wollen wir einen Gnomon, eine Sonnensäule, aufbauen. Die unterschiedliche Schattenlänge von einem Meter im Sommer und bis zu zehn Metern im Winter lässt Schlüsse auf die Zeitkoordinaten zu", erläutert der Wissenschaftler Tomasz.
Der schöne rund 4,5 Kilometer lange Wanderweg zwischen Orle und der Baude Chatka Górzystów im ehemaligen Groß-Iser soll eine lehrreiche Nebenfunktion erhalten. In maßstäblicher Verkleinerung von eins zu einer Milliarde Kilometern werden die Wanderer auf dem Planetenweg die kosmischen Größenordnungen von der Sonne bis zum Neptun nachvollziehen können. "Steinsäulen werden die Abstände zwischen den acht Planeten des Sonnensystems markieren und die Himmelskörper im Kleinformat zeigen", sagt Tomasz und deutet schon mal die Größe der Erde mit ganzen 13 Millimetern an.

Der Jeep setzt sich in Richtung Chatka Górzystów in Bewegung, vorbei am Moor- und Torfgebiet der Großen Iserwiese. "Hier in der Baude sollen eine Wetterstation und eine Kamera für die Beobachtung des Nachthimmels installiert werden", macht Tomasz auf das aufwendigste Teilprojekt aufmerksam. "Wir wollen für die natürliche Abfolge von Tag und Nacht sensibilisieren. Es gibt in unserer modernen Welt auch eine Umweltverschmutzung durch zu viel künstliches Licht in der Nacht", begründet Zbigniew den Plan. Vorgesehen ist, eine ellipsenförmige Fläche von 70 Quadratkilometern diesseits und jenseits der Isergrenze zu einer Schutzzone für das Nachtdunkel zu gestalten. Die geringe Bevölkerungsdichte und die umgebenden Berge prädestinieren dieses touristische Areal geradezu für dieses Vorhaben. "Unsere Absicht ist, den Naturschutz mit einem intensiveren Erleben des Sternenhimmels zu verbinden. Immerhin ist der Nachthimmel hier 20-mal dunkler als in den Städten", weiß Tomasz. Die größte Herausforderung ist die behutsame Beleuchtungsumstellung im böhmischen Jizerka (Klein-Iser), der einzigen größeren Ansiedlung im Kerngebiet der Schutzzone.
Während der Jeep mit den Initiatoren der Iserprojekte heimwärts rollt, senkt sich der Nachthimmel über das Gebirge. Irgendwie scheint man hier den Sternen näher zu sein.
Von Christian Henke (SZ.LAUSITZ@DD-V.DE)
Dieser Artikel erschien am 29. Dezember 2008 in der Sächsischen Zeitung (S. 22). www.grossiser.de veröffentlicht ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von der SZ.

Die Große Iserwiese ist etwas Besonderes. Auch das dortige Klima ist ungewöhnlich. Dank der Errichtung eines Messpunktes stellte man fest, dass die Große Iserwiese der Kältepol Polens ist.

Ein markanterPunkt auf der Großen Iserwiese (Izerska £±ka) ist die dortige Berghütte. Sie ist, neben der Baude auf dem Heufuder und der Touristischen Station Karlstal (Orle), das einzige Gebäude, in dem man sich aufwärmen und eine kleine Speise zu sich nehmen kann.