Das Isergebirge

Groß-Iser

Große Iserwiese

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Iserlandlied (Lied über Groß-Iser)

Es gibt einen Ort im Isergebirge, an dem die niedrigsten Temperaturen in Polen auftreten, wo Sumpfgebiete Unbehagen wecken und wo Touristen kein Luxus erwartet. Das ist die Große Iserwiese. "Weißt Du, welche großen Emotionen dieses Gebiet unter den Meteorologen bei uns an der Uni weckt?" - fragt mich Artur, der mich mit seinem alten klappenden Lastauto per Anhalter nahm, als ich von einem Ausflug ins Isergebirge zurückfuhr. "Wegen dieses Klimas, verstehst du, das ist ein Phänomen. Hast du den Fluss gesehen? Und diese Pflanzen drum herum? Ganz wie in Sibirien" ergänzt er.

"Wo vom Frost die Felsen krachem
Wo der Sturm den Wald durchbraust,
Uber Hang und Harsch im Fluge
Pfeilgeschwind der Schneesduch semst
Wo dem sturm und Wetter trotzten
Mensch und Wald und Feselwand
Liegt gewaltig, herb und herrich,
Mein geliebtes Iserland!"

"Iserlandlied" s³. Rud. Koch.

Groß-Iser

Straße im alten Dorf

Nur wenige Touristen, welche die Große Iserwiese auf den Wanderwegen aus ¦wieradów Zdrój (Bad Flinsberg) und Jakuszyce erreichen, wissen, dass diese gastunfreundlichen Gebiete noch vor nicht länger als einem halben Jahrhundert bewohnt waren. Hier befand sich das Dorf Groß-Iser.

Fluß Iser

Flussmäander in dem mit Leben pulsierenden Dorf

Dank den Gedenktafeln in der ehemaligen Schule (Neue Schule) erfährt man einiges über die Geschichte Groß-Isers. Mehr als 40 Häuser, ein Wirtshaus, eine Mühle, ein Café und ein der Familie Schaffgotsch gehörendes Jagdhaus bildeten den Ort. Das Letztere wurde von den russischen Soldaten besetzt und schließlich zerstört. Am 11. Mai 1945 teilten sein Schicksal auch andere Gebäude. Übrig geblieben sind nur Pflöcke mit Hausnummern. Hier und da sieht man noch einige Fundamente.

Hausfundamente

Mit Grass bewachsene Fundamente

Über die Entstehung der Siedlung ist nicht viel bekannt. Man weiß lediglich, dass sie bereits im 16. Jh. von den tschechischen Religionsflüchtlingen, darunter einem Mann namens Thomas, gegründet wurde. Der Legende nach war er ein mächtiger und mutiger Jäger, dessen Schüsse "immer tödlich" waren.
Das Leben in Groß-Iser war alles andere als einfach - es gab hier lange Zeit keine richtigen Wege, wodurch die Erreichbarkeit des Dorfes kaum möglich war, die Lebensmittelversorgung erfolgte nur dank seltenen Besuchen von Metzgern oder Bäckern. Es steht aber fest, dass hier regelmäßig (einmal pro Woche) die heilige Messe vom Pastor gelesen wurde. Groß-Iser verfügte nämlich über eine Dorfkapelle.

Groß-Iserbaude

Groß-Iserbaude

Seine Entwicklung verdankt das Dorf dem hier seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere in der Umgebung von Bad Flinsberg, blühenden Tourismus. Das war der Hauptgrund dafür, dass sich Groß-Iser in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts sich mit dem Namen Winterhauptstadt (tatsächlich dauert hier der Winter von November bis Anfang Mai) rühmen konnte. In einem Verzeichnis der Ereignisse auf der Großen Iserwiese aus dem Jahre 1945 lesen wir, dass "Gäste aus ganz Deutschland sowie aus der Schweiz und sogar aus China (...) herzlich willkommen" waren, was wohl am besten von der Rolle der Großen Iserwiese im Tourismus zeugt.

Grab von Paul Hirt

Grab von Paul Hirt - dem einzigen aus Groß-Iser stammenden Opfer des 2. Weltkrieges

Besucher konnten sich in der Herberge Groß-Iser-Baude erholen. Der Wirt Paul Hirt erfreute sich allgemeiner Beliebtheit, besonders bei den Kindern, die von ihm Süßigkeiten bekamen. Er war gleichzeitig das letzte Kriegsopfer in dieser Region. Erschossen von russischen Soldaten wurde er direkt am Ort seines Todes begraben. Diese Stätte ist mitsamt einem Kreuz und einer Erinnerungstafel aus den Fenstern der Berghütte Chatka Górzystów zu sehen.

Ausschank Isermühle

Die Isermühle - ehemalige Mühle, später Ausschank in der Mitte des Dorfes

Abends saß man gemeinsam gemütlich im Ausschank Isermühle und trank ein geheimnisvolles Getränk Iserbitter, das aus einheimischen Kräutern hergestellt wurde. Die heutigen Wirte der Berghütte Chatka Górzystów hoffen, irgendwann das Rezept für das Getränk in den Hauschroniken der hier ausgesiedelten Deutschen zu finden. S³awek, der Besitzer von Chatka Górzystów lacht: "Die Erinnerungen bleiben uns für immer, wie auch an die Iser-Butter, die angeblich so gut wie die Butter aus den Alpen sein sollte."
Zu den "lokalen" Persönlichkeiten gehörte, neben den ab und zu Groß-Iser besuchenden Gebrüdern Hauptmann, auch der bekannte Historiker, Schriftsteller und Folklorekenner Will-Erich Peuckert, der in der hiesigen Schule 6 Jahre als Lehrer arbeitete.

Das Dorf wurde vom Krieg nicht verschont - im Mai 1945 wurde es durch die Rote Armee besetzt. Die nächsten Monate brachten auch keine Stabilisierung auf diesem Gebiet. Seit Juni 1945 fand hier eine Aussiedlungsaktion statt, die zur totalen Entvölkerung des Dorfes führte. Die leeren Gebäude gingen nach und nach zu Grunde. Die Reste von ihnen nutzte man gerne als Baumaterial für neue Bauwerke.

Ruinen der Häuser

Sind die Stahlbetonwände wirklich aufgrund ihres Alters "gebrochen"...?

Man kann jedoch mit hundertprozentiger Sicherheit nicht sagen, wie das mit der "Entvölkerung" wirklich war. In den 60er Jahren hat dort angeblich ein Student einen Blindgänger gefunden, der darauf hindeuten würde, dass Groß-Iser als ein Truppenübungsplatz für die Artillerie benutzt wurde. Eins steht fest - bis heute ist nur ein Gebäude des früheren Dorfes, die Neue Schule, erhalten geblieben und nur deswegen, weil es durch die Grenzwache als Wärterhäuschen benutzt wurde. Heute befindet sich hier die Herberge Chatka Górzystów.

Neue Schule - Berghütte Chatka Górzystów

Neue Schule - erbaut 1938 in der Nähe von der alten Schule. Berghütte Chatka Górzystów

Die jetzigen Besitzer der Berghütte Chatka Górzystów haben Kontakte zu den Familien der hier vor dem Krieg wohnenden Bewohner des Dorfes Groß-Iser geknüpft. Zusammen versuchen sie, auf die Spuren der über die ganze Welt zerstreuten Geschichte zu kommen. Wie zum Beispiel der Lebensgeschichte der Glöcknerin - Anna Mohwald aus der örtlichen Schule in Groß-Iser. Sie sammeln Bilder, Dokumente und Veröffentlichungen. Gemeinsam tragen sie die Gebäude auf den Plan der Iserwiese ein - im Gedächtnis bauen sie wieder das Jägerhaus, die Isermühle und die Alte Schule auf... Vielleicht wacht über das Unternehmen der Flins selbst?

Text von Antonina Ma³owiecka

 

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Gut zu wissen

Große Iserwiese - der Kältepol Polens? »

Chatka Górzystów w National Geographic Polska

Die Große Iserwiese ist etwas Besonderes. Auch das dortige Klima ist ungewöhnlich. Dank der Errichtung eines Messpunktes stellte man fest, dass die Große Iserwiese der Kältepol Polens ist.

 

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Berghütte "Chatka Górzystów" »

Chatka Górzystów

Ein markanterPunkt auf der Großen Iserwiese (Izerska £±ka) ist die dortige Berghütte. Sie ist, neben der Baude auf dem Heufuder und der Touristischen Station Karlstal (Orle), das einzige Gebäude, in dem man sich aufwärmen und eine kleine Speise zu sich nehmen kann.

 

Autor: www.lipin.art.plLipin

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