Hauptseite » Gut zu wissen » Große Iserwiese - der Kältepol Polens?
Am 29. Dezember 1996 sank die Temperatur auf der Großen Iserwiese bis auf -36,6 Grad Celsius. Auch während der warmen Winter in den Jahren 1996-2000 sank sie mehrmals bis auf unter -30 Grad. Diese Tatsache verwundert insofern, weil der Südwesten eine der wärmsten Regionen Polens ist. Zum Vergleich: In der Stettiner Ebene, dem wärmsten Gebiet Polens, beträgt die durchschnittliche Temperatur im Juli 17 Grad und im Januar -1 Grad.
Über diese klimatische Besonderheit der Großen Iserwiese berichtete National Geographic Polen im Artikel "Das Isergebirge - ein Kältepol" in der Novemberausgabe 2000. Den Grundstein dazu lieferten meteorologische Messungen, die auf diesem Gebiet seit 1995, d.h. seit der Errichtung eines Messpunktes dort, durchgeführt werden.

Der 1995 eingerichtete Messpunkt ermittelte überraschende Daten
Die Bezeichnung der Großen Iserwiese als der polnische Kältepol ist jedoch nicht richtig. Der wahre Kältepol Polens ist die Suwa³ki-Region im nordöstlichen Polen, obwohl die niedrigste Temperatur des Landes, -41 Grad, 1929 in ¯ywiec in den Beskiden und 1940 in Siedlce bei Warschau ermittelt wurde. Der Grund, warum die Große Iserwiese eine solche Bezeichnung trotzdem verdient, ist die Vermutung der Wissenschaftler, z.B. von Dr. Mieczys³aw Sobik, dass die Temperatur auf der Großen Iserwiese unter ähnlichen Umständen wie 1929 und 1940, sogar bis auf ca. -45 Grad sinken kann. Dabei ist zu beachten, dass die niedrige Temperatur auf der Großen Iserwiese lediglich eine lokale Erscheinung ist und sich nicht auf das gesamte Gebiet bezieht, denn selbst das die Heide umliegende Gebirge weist höhere Temperaturen auf.
Laut Piotr Mrugasiewicz gibt es auf der Iserheide starke Temperatursenkungen auch im Sommer. Am 20. Juli 1996 haben wir -5,5 Grad verzeichnet ergänzt er. Verantwortlich für die dort auftretenden niedrigen Temperaturen ist die nächtliche Temperaturinversion. Dieses Phänomen tritt während wolkenloser Nächte auf, wenn die kalte Luft von den umliegenden Bergen auf die Heide fällt, wodurch auf dieser noch niedrigere Temperaturen entstehen.
Die Niedrigtemperaturen verbunden mit starkem Regen übers Jahr führen dazu, dass auf der Großen Iserwiese ein sehr hartes Klima herrscht: regnerische, kalte Sommer und lange, schneereiche Winter zeichnen diesen früher sehr belebten Mittelpunkt des Isergebirges unter den besonderen Orten der Sudeten aus.

Ein markanterPunkt auf der Großen Iserwiese (Izerska £±ka) ist die dortige Berghütte. Sie ist, neben der Baude auf dem Heufuder und der Touristischen Station Karlstal (Orle), das einzige Gebäude, in dem man sich aufwärmen und eine kleine Speise zu sich nehmen kann.